Mai 12, 2026

Milchhofareal:
Wie Energie im Quartier funktioniert

Ein Konzept, das Strom, Wärme & Mobilität verbindet

Auf dem Gelände des ehemaligen Milchhofs hat sich in den vergangenen Jahren viel verändert. Wo früher ein Industrieareal lag, ist ein modernes Wohnquartier entstanden. Heute wohnen hier Menschen, die Häuser sind bezogen und das Quartier hat sich Schritt für Schritt mit Leben gefüllt.

Wie Energie im Quartier funktioniert Was viele im Alltag kaum wahrnehmen:
Hinter den Fassaden arbeitet ein Energiekonzept, das Strom, Wärme und Mobilität miteinander verbindet. Entwickelt wurde es mit dem Ziel, Energie möglichst effizient dort bereitzustellen, wo sie gebraucht wird. Sechs Gebäude mit mehr als 70 Wohnungen und mehreren Gewerbeeinheiten bilden heute das Quartier.

Begrünte Dächer, gemeinschaftliche Freiflächen und kurze Wege prägen das Umfeld – ergänzt durch eine Energieversorgung, die von Anfang an als Gesamtsystem geplant wurde.

Strom vom eigenen Dach

Ein zentraler Baustein des Konzepts ist die lokale Stromerzeugung auf den Dächern der Gebäude. Die dort installierten Photovoltaikanlagen produzieren Solarstrom direkt vor Ort. Der Großteil dieses Stroms wird über ein Mieterstrommodell unmittelbar im Quartier genutzt. Das bedeutet: Bewohnerinnen und Bewohner können den Strom beziehen, der direkt auf ihrem eigenen Dach erzeugt wird.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Der Strom wird vor Ort genutzt und muss nicht erst durch das öffentliche Netz transportiert werden. Für diesen lokal verbrauchten Anteil fallen deshalb keine Netzentgelte an – ein wichtiger Baustein des Mieterstrommodells.

Dass in den Dächern unserer Städte großes Potenzial steckt, zeigen auch Studien: Photovoltaikanlagen auf deutschen Dachflächen könnten jährlich mehr als 100 Terawattstunden Strom erzeugen* – etwa ein Viertel des heutigen Stromverbrauchs aller privaten Haushalte.

„Ein Quartier energetisch so zu planen, ist durchaus anspruchsvoll“, sagt Reiner Kerschbaum, Key Account Manager bei den Stadtwerken Neumarkt, der das Projekt von Beginn an begleitet hat. „Aber wenn die einzelnen Bausteine gut aufeinander abgestimmt sind, entsteht eine Lösung, die effizient arbeitet und langfristig tragfähig ist.“

*(Quelle: Fraunhofer ISE, Analysen zum Photovoltaik-Dachflächenpotenzial in Deutschland.)

Wärme und Mobilität mitgedacht

Neben der Stromerzeugung spielt auch die Wärmeversorgung eine wichtige Rolle im Energiekonzept des Quartiers. Ein Blockheizkraftwerk in Kombination mit moderner Brennwerttechnik und einer Pelletanlage stellt die Wärmeversorgung der Gebäude sicher. Durch dieses Zusammenspiel werden die eingesetzten Energieträger besonders effizient genutzt.

Ein Wärmespeicher sorgt zusätzlich dafür, dass erzeugte Energie zwischengespeichert und bedarfsgerecht abgerufen werden kann. Das reduziert Verluste und gleicht Verbrauchsspitzen aus.
Auch Elektromobilität wurde bei der Planung berücksichtigt. In der Tiefgarage stehen Stellplätze mit Ladeinfrastruktur zur Verfügung.

„Die Herausforderung besteht darin, die verschiedenen Systeme sinnvoll miteinander zu verbinden“, erklärt Reiner Kerschbaum. „Erst wenn Strom, Wärme und Infrastruktur zusammenspielen, entsteht ein nachhaltiges Gesamtkonzept.“

Was im Alltag wirklich zählt

Die Qualität zeigt sich dort, wo es zählt: im täglichen Leben der Bewohnerinnen und Bewohner – wenn alles reibungslos läuft und sich das Wohnumfeld stimmig anfühlt.
Auch die Gestaltung trägt dazu bei. Grünflächen zwischen den Gebäuden schaffen Aufenthaltsqualität, die begrünten Dächer wirken sich positiv auf das Mikroklima aus.

„Im Alltag merkt man schnell, ob ein Energiekonzept funktioniert – hier tut es das“, sagt Bernhard Gmelch, Geschäftsführer der ID+ Immobiliendienste GmbH, die das Quartier betreut. „Photovoltaik, Wärmeversorgung und Ladeinfrastruktur greifen gut ineinander. Das zeigt, dass das Quartier von Anfang an ganzheitlich geplant wurde.“

Ein Beispiel für zukünftige Energielösungen

Solche Ansätze spielen auch in der kommunalen Wärmeplanung eine Rolle. In Neumarkt erarbeiten wir derzeit gemeinsam mit der Stadt, wie die Wärmeversorgung künftig organisiert werden kann – und das Quartier am ehemaligen Milchhof liefert dafür ein greifbares Praxisbeispiel.

Dabei wird immer deutlicher: Die eine Lösung für alle Gebäude wird es nicht geben. Während in manchen Bereichen Wärmepumpen sinnvoll sein können, bieten in dichter bebauten Quartieren gemeinsame Energiezentralen oder Nahwärmelösungen Vorteile. Entscheidend ist immer der Blick auf das gesamte Umfeld.

„Genau hier liegt die Stärke solcher Quartierslösungen“, sagt Reiner Kerschbaum. „Man betrachtet nicht nur ein einzelnes Gebäude, sondern das große Ganze. Dadurch entstehen Lösungen, die effizient und langfristig funktionieren.“
Was am Milchhof umgesetzt wurde, macht deutlich, wie sich Energieversorgung, Stadtentwicklung und Lebensqualität sinnvoll verbinden lassen. Denn mit wachsenden Städten und neuem Wohnraum stellt sich immer häufiger die Frage: Wie schaffen wir Versorgung, die zuverlässig ist, bezahlbar bleibt und gleichzeitig klimafreundlich funktioniert?

Der Milchhof zeigt, wie wir Energie vor Ort neu denken: vernetzt, effizient und mit Blick auf das, was langfristig funktioniert.
Luftbild Milchhofareal 2026
Reiner Kerschbaum (SWN) mit Bernhard Gmelch & Angelika Ott von der ID+ Immobiliendienste GmbH.Ladestation in der Tiefgarage des MilchhofarealsGroßer Pufferspeicher in der Wärmezentrale des Milchhofareals

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